Die 79. Filmfestspiele von Venedig haben ihr Programm bekannt gegeben. Und es enthält unglaublich viele große Uraufführungen und Werke prominenter Regisseure.

Adam Driver in WHITE NOISE by Noah Baumbach, Courtesy Netflix / WILSON WEBB

Das Festival wird mit einem Film von Noah Baumbach für Netflix eröffnet, der auf der Adaption des von der Kritik gefeierten Romans „White Noise“ von Don DeLillo basiert. Die Favoriten des Regisseurs, Adam Driver und Greta Gerwig, spielen darin die Hauptrollen. Ebenso mit Spannung erwartet wird der Film „The Whale“ des „Goldene Löwen“-Preisträgers Darren Aronofsky („Wrestler“) mit Brendan Fraser (der kaum wiederzuerkennen ist) und Sadie Sink, dem Jungstar aus „Stranger Things“. Die Geschichte erzählt von einem fettleibigen Mann und der Beziehung zu seiner Tochter. Alejandro González Iñárritu, der einst mit „Birdman“ die Filmfestspiele von Venedig eröffnete, wird mit seiner neuen Komödie „Bardo (or False Chronicle of a Handful of Truths)“, wieder am Lido sein. Der Film ist sein erstes Projekt, das er nach 20 Jahren in seiner Heimat Mexiko realisiert hat.

Timothée Chalamet (right) in BONES AND ALL by Luca Guadagnino, Courtesy Metro-Goldwyn-Mayer Pictures Inc.

Der Italiener Luca Guadagnino hat sein nächstes „amerikanisches“ Projekt „Bones and all“ gedreht. Darin geht es um junge verliebte Kannibalen; einer von ihnen wird von Timothée Chalamet dargestellt. Martin McDonagh („Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“) hingegen kehrt mit seinem sarkastischen Drama „The Banshees of Inisherin“ mit Brendan Gleeson und Colin Farrell in seine historische Heimat Irland zurück. Beide Schauspieler waren bereits in seinem erfolgreichen Spielfilmdebüt „In Bruges“ zu sehen.

Der französische Drehbuchautor und kürzlich mit dem Oscar ausgezeichnete Regisseur Florian Zeller wird nach seinem gefeierten „The Father“ seinen nächsten Film im Wettbewerb zeigen. Sein Projekt basiert wieder auf einem eigenen Theaterstück. Diesmal heißt es „The Son“. Unter den Darstellern sind Hugh Jackman, Laura Dern und natürlich wieder Anthony Hopkins. Der Neuseeländer Andrew Dominik präsentiert „Blonde“ – ein Freestyle-Biopic über Marilyn Monroe, geschrieben von Joyce Carol Oates mit Ana de Armas in der Hauptrolle. Gerüchten zufolge wird dies ein außergewöhnlich ehrlicher Film sein.

Ana de Armas as Marilyn Monroe in BLONDE, Courtesy Netflix 2022

Neben den Star-Regisseuren werden auch weniger bekannte, aber nicht weniger interessante Namen im Venice-79-Wettbewerb gezeigt. Zum Beispiel die Britin Joanna Hogg („Souvenir“), die bei “The Eternal Daughter” mit Tilda Swinton Regie führte. Die renommierte amerikanische Dokumentarfilmerin Laura Poitras widmet ihr neues Projekt „All the Beauty and the Bloodshed“ der New Yorker Kulturlegende und Fotografin Nan Goldin. Der 92-jährige amerikanische Dokumentarfilmer Frederick Wiseman, ein Träger des Ehrenpreises „Goldener Löwe“, ist berühmt für seine monumentalen, meist mehrstündigen Beobachtungsdokumentationen. Diesmal filmt er unerwartet kurz, ein 65-minütiges Projekt, das er in Paris drehte, wo er vom Lockdown erwischt wurde. Sein „Un Couple“ basiert auf dem Briefwechsel zwischen dem russischen Schriftsteller Leo Tolstoi und dessen Ehefrau Sofia Andreevna.

Der berühmteste politische Gefangene des Kinos, der Iraner Jafar Panahi, wurde kürzlich zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Allerdings schaffte er es, nur wenige Tage vor seiner Verhaftung, den Film „No Bears“ fertigzustellen, der in Venedig gezeigt wird. Laut dem Festivaldirektor Alberto Barbera ist es sein stärkster Film, der durch das Verbot der Kreativität beflügelt wurde. Es ist klar, dass dieser Film die Aufmerksamkeit aller auf sich ziehen wird, trotz der einzigartig herausragenden Teilnehmerzahl, die sich um den diesjährigen prestigeträchtigen „Goldenen Löwen“ bewirbt.

KHERS NIST (NO BEARS) by Jafar Panahi, Courtesy La Biennale di Venezia

Unter den Teilnehmern des Außer-Wettbewerb-Programms sind auch viele prominente Namen zu lesen. Beispielsweise Oliver Stone mit dem Dokumentarfilm „Nuclear“, Kim Ki-duk, dessen posthumer Film „Call of God“ von seinen estnischen Produzenten nach seinem Tod fertiggestellt wurde, der „Goldene Löwe“-Gewinner Gianfranco Rosi mit dem Film über die Reisen von Papst Franziskus „In Viaggio“, der legendäre Paul Schrader mit „Master Gardener“ (mit Joel Edgerton und Sigourney Weaver) sowie der Genrefilmmeister Walter Hill mit dem Thriller „Dead for a Dollar“ (mit Christoph Waltz und Willem Dafoe). Normalerweise ist der Filipino-Regisseur Lav Diaz in Cannes zu sehen. Diesmal bringt er sein neuestes Werk “When the Waves Are Gone” nach Venedig. Der Film dauert bloß drei Stunden, die bislang kürzeste Produktion dieses Regisseurs.

COPENHAGEN COWBOY by Nicolas Winding Refn, Courtesy Netflix

Die Festival-Organisatoren versprachen, zwei ganze Serien außer Konkurrenz in Venedig zu zeigen. Die eine enthält fünf Episoden, die andere sechs. Es sind die Werke berühmter Filmemacher aus Dänemark, Nicolas Winding Refn (sein Projekt heißt „Copenhagen Cowboy“) und seines Antipoden Lars von Trier. Der lang erwartete „Riget Exodus“ von von Trier wird sein vor 25 Jahren unterbrochenes Epos über ein von Freimaurern und Geistern bewohntes Krankenhaus komplettieren.

Die Festspiele von Venedig werden am 31. August auf dem Lido eröffnet, die Preise am 10. September vergeben. Die Jury leitet in diesem Jahr die amerikanische Schauspielerin Julianne Moore.

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