Film Interview

Mike Pitt: Vorbild eines Schauspielers

Mike Pitt ist die moderne Version eines Schauspielers. Ähnlich sind ihm vielleicht noch James Franco oder Ashton Kutcher, die es schaffen, gleichzeitig in vielen Gebieten tätig zu sein. Sie machen Musik, malen Bilder, drehen Filme und sogar betreiben Online-Shops. Ihre letzten News stellen sie regelmäßig auf Instagram, Facebook oder auf Twitter.

Musik-Fans ist Mike Pitt (nicht mit Brad Pitt verwandt) als ausgezeichneter Sänger und Gitarrenspieler bekannt. Im Kino schafft er es, jährlich in etwa bei fünf bis sieben Produktionen mitzuwirken. Davon wird er nicht reich. Nicht nur, weil das Leben in New York City teuer ist, sondern weil die meisten seiner Filmproduktionen sich im Low-Budget-Bereich bewegen. Er macht das aber bewusst so, weil er selbst bestimmen möchte, an welchen Projekten er mitarbeitet und ob diese für ihn interessant sind. In seiner aktuellen Rolle für „I – Origins: Im Auge des Ursprungs“ spielt er einen jungen Wissenschaftler, der die Evolution des menschlichen Auges verfolgt und dabei zu spektakulären Ergebnissen kommt. Mich haben der Film und seine Erkenntnisse auf jeden Fall überzeugt. Aber ich wollte mehr erfahren, deshalb traf ich den Schauspieler im Hotel Bayerischer Hof in München für ein Interview.

 

-Wie spirituell bist du selbst, Mike?

-Also, Leute, die zu spirituell sind, machen mich fertig, die scheinen mir unecht. Ich würde sagen, mein Platz ist irgendwo in der Mitte. Das heißt, wenn du sagst: „Es gibt Leben auf anderen Planeten oder Geister zwischen uns, dann inspiriert mich das und macht mich neugierig, aber es überrascht mich nicht. Menschen stehen nur fünf Sinne zur Verfügung. Ich glaube, dass diese Zahl sehr limitiert ist und es gibt ein gewisses etwas, was unsere Wahrnehmung nicht erfassen kann, etwas jenseits unserer Möglichkeiten, was wir nicht anfassen und verstehen können. Einen einzigen Hinweis für diese unerklärlichen Dinge gibt uns manchmal unsere Intuition, aber diese benutzen wir viel zu selten. Beantwortet dies deine Frage?

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-Was ist mit deinem Charakter Dr. Ian Grey? Welche Vorbilder hattest du vor Augen?

-Kennst Du Richard Dickinson? Professor für Mikrobiologie und Evolution? Solche Menschen wie er begeistern mich! Ich würde seine Vorlesungen besuchen und in seinen Charakter eintauchen. Es heißt aber nicht, dass ich Charaktere spiele, die mir nah stehen. Es gibt Schauspieler, die immer wieder gleiche Rollen wählen. Wie langweilig! Ich mag es umgekehrt, mich herauszufordern, indem ich solche Charaktere wähle, die Gegensatz von mir sind.

 

-Glaubst du an Wiedergeburt?

-Selbstverständlich glaube ich, dass ich wieder auf diese Welt komme und am besten als Frau. Ich wäre das beste und bravste Mädchen überhaupt (lacht). Also im Ernst, ich glaube daran, dass die Wissenschaft zu einigen Erkenntnissen kommt und ich glaube wir sind nicht weit davon entfernt, natürlich unter der Voraussetzung, dass wir uns selbst vorher nicht eliminieren! Mir gefällt die Idee von Mike Cahill (Regisseur – TR) über die Bedeutung des menschlichen Auges und darüber, dass die Augen unsere Unsterblichkeit bestätigen. In der Realität nutzen wir unsere Augen andauernd: Wenn wir eine Person treffen, wenn wir uns fragen, ob diese Person uns liebt, wenn wir die Wahrheit suchen oder Nachweise brauchen, dass wir angelogen werden. Das menschliche Auge kann viel verraten und viele Geschichten erzählen, deshalb haben sich auch so viele Künstler – ob Maler, Dichter oder Regisseure – mit dem menschlichen Auge befasst. Die Anziehung zu Augen musste wohl genetisch in uns vorprogrammiert sein. Babys beispielsweise, die in den ersten Monaten eine schlechte Seherkraft haben erkennen nur Augen auf dem Gesicht eines Erwachsenen oder der eigenen Mutter.

Mike Pitt mit Filmpartnerin

Mike Pitt und Àstrid Bergès-Frisbey in München

 

Der Film wurde teilweise in Indien gedreht. Wie war es, dort zu drehen?

-Eine außergewöhnliche Erfahrung. Das Land verbindet archaische Kultur und einen altertümlichen Lebensstil mit modernsten Technologien. Der Prozess des Augenscannens und der Personenidentifikation ist in Indien bereits weit verbreitet. Man findet teilweise in den ärmsten und kleinsten Gemeinden Datenbanken mit eingescannten Augen der Einwohner, während es bei uns in Europa oder den USA dieses System selten gibt. In Heathrow in London kann man sich durch einen freiwilligen Augenscanidentifizieren lassen, dann geht die Registrierung viel schneller. Aber das wird selten gemacht. Im Westen geht es immer um Menschenrechte und Schutz der Privatsphäre.

 

-Blockbusters oder Indies: Was spricht dich mehr an? Gespielt hast du ja in beiden Genres.

-Ich glaube, ich lerne mehr von kleineren Projekten, diese geben mir mehr Lebenserfahrung. Aber ich sage nicht nein, wenn ein Studioangebot kommt. Ich habe nichts gegen das Geld, schließlich geht es ums Überleben und außerdem entstehen bei großen Produktionen die besten Kontakte. Aber meine Priorität liegt mehr auf meiner persönlichen Entwicklung, abhängig davon werde ich immer meine Entscheidungen treffen.

 

-Wie steht’s bei dir momentan mit der Liebe?

-Hm … Irgendwie habe ich momentan Angst davor. Also nicht Angst, aber wir alle haben eine gewisse Vorstellung von der Liebe. Es geht um ein romantisches, völlig selbstloses, übergreifendes Gefühl, was einen trifft und beherrscht. Ich glaube, schuld an dieser Vorstellung sind Literatur, Kunst und natürlich das Kino. Mit meinem jetzigen Arbeitstempo bin ich noch nicht in der Lage, mich ganz der Liebe zu widmen. Ich lasse es dich wissen, wenn so weit ist!