Film

Die Wand: Film Review

Literaturverfilmungen sind heutzutage ein großer Trend im Kino. Und dieser Trend hält nicht nur in den USA, sondern auch im europäischen Kino Einzug. Schließlich garantieren diese Adaptionen Erfolg bereits durch den Leserkreis, der im Buchhandel gewonnen wurde. Dies gilt besonders vor allem wenn es sich um Bestseller wie das Buch der Österreicherin Marlen Haushofer „Die Wand“ handelt. Der Roman wurde im Jahr 1963 verfasst, unter dem gleichen Namen auf die große Leinwand gebracht und prominent mit dem deutschem Star Martina Gedeck besetzt.

Protagonistin ist eine namenlose Frau (Martina Gedeck), die ihre Cousine in den österreichischen Alpen besuchen will. Diese Cousine und ihr Ehemann – die übrigens im Film nur kurz zu sehen sind – leben in einer einsamen Jagdhütte inmitten der Wälder. Gastfreundlich empfängt die Verwandtschaft ihren Besuch und lässt die Frau auf der Couch schlafen und ausschlafen, weil sie in der Stadt etwas zu erledigen hat. Sie kommen jedoch nie wieder zurück.

Als die Besucherin erwacht, findet sie sich in der Hütte von einer unsichtbaren Wand von der Außenwelt abgeschnitten. Um sie gibt es nur noch die Natur und Tiere: Ein paar Katzen, ein Hund, eine Kuh und Krähen. Jenseits der Wand scheint die Zeit stehengeblieben zu sein und die Menschen erstarrt. Verzweifelt kämpft die Frau um ihren Verstand und beginnt ein Tagebuch zu verfassen.

Die Story wird von einer einzigen Schauspielerin präsentiert, wenn man die mit ihr in der Hütte lebenden Tiere nicht zählt. Die Geschichte wird als Off-Stimme über visuell einspruchsvolle Bilder erzählt und bietet eine geniale Analyse unseres Seins. Dem österreichischen TV-Macher Pölster ist es gewiss gelungen, die stillen Landschaften zu zeigen und einen tiefen Blick in die Seele der Menschen zu werfen. Martina Gedeck taucht glanzvoll in die Einsamkeit ihres Charakters ein und offenbart darin subtile philosophische Züge.

Die Wand symbolisiert Schutz und hält sie gleichzeitig gefangen, um dennoch – wie im Film – bloß zu einem neuen Leben zu erwecken. Trotz der stillen, fast unbewegten Dramaturgie hinterlässt die Story eine bewegende Wirkung, vor allem Raum für zahlreiche Interpretationen.

Im Kino: 20.09.2012
Die Wand (Österreich, Deutschland 2012)
Regie: Julian Roman Pölsler Mit: Martina Gedeck, Karlheinz Hackl, Ulrike Beimpold
Länge: 126 Minuten