Film

Willy Bogner: Wege zum Film

Wie die Festivalleiterin Diana Iljine (eigentlich auf Russisch Iljina) bei der Eröffnung des Filmfestes verkündete, steht die 32. Festivalausgabe unter dem Motto „Begegnung“. Deshalb sind für die nächsten acht Tage viele Begegnungen geplant, hauptsächlich mit den Filmemachern. Bereits am zweiten Festivaltag fanden drei Live-Veranstaltungen statt: mit Wim Wenders, Jean-Pierre Jeunet und Willy Bogner.

„Wer ist Willy Bogner?“ würden die meisten Filmliebhaber fragen. Man kennt ja ein Modeunternehmen „Bogner“, das zusammen mit ESCADA und Aigner in München ansässig ist. Genau um diesen Bogner ging es bei GALA am 28. Juni.

Bogner Junior begann seine Karriere als Skirennläufer. Später übernahm er die erfolgreiche Bekleidungsfirma seiner Eltern, heiratete das brasilianische Model Sonia Ribeiro und entwarf gemeinsam mit ihr Mode-Kollektionen, vor allem im Bereich Sportkleidung. Auch Filmen war für Bogner eine Leidenschaft, die ihn bereits im zarten Alter zum Experimentieren mit der Kamera brachte. Eines Tages bekam er die Chance, in die professionelle Film- und Fernseherindustrie einzutauchen, die er sofort ergriff. Als Teilnehmer an den Olympischen Winterspielen 1960 durfte er Aufnahmen an Orten machen, zu denen die Presse keinen Zugang bekam. Diese Aufnahmen gingen an Sportreporter Harry Valerien.

willy bogner (links)

1964 startete Bogner bereits sein eigenes Projekt „Ski-Faszination“. Sein Können faszinierte nicht nur deutsche, sondern auch internationale Produzenten. Der Amerikaner Albert Broccoli engagierte Bogner für die spektakuläre Ski-Verfolgungsjagd „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ (1969) und noch für drei weitere Bond-Produktionen. Heute blickt Bogner auf 37 Filme zurück, die er produzierte und für die er teilweise Kameraführung, Regie und Drehbuchschreiben übernahm. Auch wenn sich nicht jeder Zuschauer für solche Filme wie „Stehaufmädchen“ oder „Benjamin – Ein Meister fällt vom Himmel“ begeistern kann, sind die Aufnahmen von Skiszenen unbeschreiblich schön.

Beim GALA-Abend zum 50. Jubiläum von Bogner durften seine „guten Kumpels“, Teilnehmer seiner Filme – von kanadischen und deutschen Ski-Weltmeistern John Eaves und Fuzzy Garhammer bis zum amerikanischen Filmkomponisten Gary Wright – Lob und Begeisterung für Bogner aussprechen. Er selbst wirkte bescheiden. Ein Mensch, der seine Verdienste in Taten und nicht in Worte umgesetzt hat. Auch für seine innovativen Experimente in HD-Format, IMAX, 3D und für 360-Grad-Bilder gebührt im Lob.

Willy Bogner zeigt seine kameras

Nach der Veranstaltung sollte wohl ein Gala-Dinner zu Ehren von Willy Bogner stattfinden. Die Presse wurde nicht eigeladen. Dafür durfte man beim UFA-Empfang (UFA Fiction – Firma für Film- und Fernseherproduktionen) mit vielen jungen Schauspielern und Regisseuren im Café Reitschule bis zur späten Stunden mitfeiern.