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Wie Gott in Frankreich: Pondicherry

Pondicherry gehört zum französisch geprägten Indien und ist nach der Gesetzgebung immer noch fast Ausland. Verschiedene Epochen haben die Geschichte und Kultur des Ortes geprägt. Seit 1930 verehrt man in Pondicherry den indischen Philosophen Sri Aurobindo (eigentlich einen Bengali-Kämpfer für die Unabhängigkeit von Indien) und seine Partnerin „die Mutter“ (eine französische Jüdin namens Alffasa Mirra). Sri Aurobindo und „die Mutter“ gründeten dort einen Aschram und praktizierten das sog. integrale Yoga. Heute bildet der Aurobindo Ashram mit seinen Pensionen, Souvenirläden, Büros und Geschäften in einem typischen „grauen“ Stil den größten Teil der Stadt.

Zwölf Kilometer vor dem Ort befindet sich die 1968 gegründete internationale Siedlung Auroville (die „Stadt der Morgenröte“) mit dem futuristischen Tempel „Mantrimandirom“ für die Meditation.  Zu Beginn dieses Jahrhunderts wurde Pondicherry durch den Roman von Roald Dahl „Charlie und die Schokoladenfabrik“ berühmt, in dem Prinz Pondicherry einen Palast aus Schokolade baut. Noch glamouröser ging es in der Verfilmung des Romans „Life of Pi“ zu, als die ganze Mannschaft aus Hollywood in der Stadt lebte, um einige Szenen des Films live zu drehen. Geschichtsinteressierte Besucher kommen wegen der berühmten französischen Kolonialarchitektur oder der nahliegenden Shiva-Tempeln nach Pondicherry.

Französisches Ambiente – La Villa © La Villa

War Pondicherry einst das Herz des französischen Indiens, wurde es erst 1954 zum autonomen Territorium und ist nach dem  indischen Gesetz immer noch  fast Ausland. Die kleine Stadt ist in zwei Bereiche geteilt: einen französischen und einen tamilischen. Verschiedene Epochen haben die Geschichte und Kultur dieses Ortes geprägt, doch hier, mitten in Indien, fühlt man sich trotzdem manchmal wie im Süden Frankreichs. Rue Dumas, Rue Romain Rolland, Rue Suffren, Rue Labourdonnais … der stimmungsvolle französische Stadtteil mit seinen herrschaftlichen Kolonialgebäuden und hübschen kleinen Cafés lässt sich bequem zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkunden.

Notre Dame des Angels © CGH Earth

Es lohnt sich, die berühmte Kirche Notre Dame zu besuchen. Dabei sollte man nicht die prachtvolle Gotik der gleichnamigen Kathedrale in der französischen Hauptstadt erwarten, schließlich handelt es sich um eine bescheidende koloniale Version mit der Namenergänzung „des Anges“. Die Kirche ist jedoch großartig. Sie ist der Basilika von Lourdes, der Kathedrale der Unbefleckten Empfängnis und der gotischen Basilika des Heiligen Herzens Jesu nachempfunden. Im Vergleich zur düsteren französischen Gotik hat diese koloniale Architektur breite Innenräume und freundliche Farben. Das auffallend weiße Denkmal (Aayi Mandapam) im nahliegenden Park wurde während der Zeit Napoleons III. als Miniatur-Arc de Triomphe gebaut.

Französisches Kolonialstil: Innenräume © tr

Die Rue Suffren ist berühmt für zahlreiche Boutiquen und Cafés wo man in fließendem Französisch angesprochen wird. Die Schaufenster der Läden präsentieren sich im bunten ethnischen Stil Indiens, kombiniert mit dem einfachen Minimalismus der französischen Bekleidung. Während man sich langsam von Schaufenster zum Schaufenster bewegt, steht man plötzlich vor dem berühmten Café des Arts, wo die französische Besitzerin nicht aufdringlich zu einer Tasse Kaffee einlädt. Die berühmteste französische Konditorei befindet sich jedoch nicht hier, sondern im tamilischen Teil, in der Baker Street und ist in fünf Minuten mit der Rikscha oder in 20 Minuten zu Fuß zu erreichen. Hier serviert man Eclairs sowie Napoleon-Torten und andere süße Leckereien.

Am Nachmittag erwacht die Stadt wie Schneewittchen aus dem Schlaf. Die Sonne brennt nicht mehr so heiß und die Einwohner der Stadt samt zahlreichen Besuchern strömen auf die Seepromenade. Wäre da nicht das riesengroße Denkmal für Mahatma Gandhi, könnte man meinen, irgendwo an der Küste Frankreichs zu sein. Am Nachmittag und frühen Abend machen ebenfalls manche Institutionen wie das French Institut of Pondicherry auf. Das Institut befindet sich in einem wunderschönen kolonialen Gebäude. Doch der Zugang zu einer eindrucksvollen Sammlung von über 60000 Büchern, Fotografien und einem Herbarium wird meistens nur Fachbesuchern gewährt, man kann jedoch den Sicherheitsdienstmitarbeiter ansprechen und das schöne Gebäude zumindest vom Innenhof aus ansehen.

Blumenmarkt © tr

Die Nachmittage und Abende eignen sich auch wunderbar, um den großen Markt im tamilischen Teil der Stadt zu besuchen, wo farbenfrohe Speisen, Gewürze, Blumen, Stoffe im bunten Chaos angeboten werden. Auf dem Rückweg stößt man immer wieder auf zahlreiche Läden des Aurobindo-Aschram sowie auf glänzende Schaufenster der Juweliergeschäfte.

Übernachten und Essen:

Um die Atmosphäre von Pondicherry besser zu spüren sollte man am besten in kleinen Boutique-Hotels im französischen Teil der Stadt übernachten. Wir empfehlen das „Palais de Mahé“ oder „La Villa“. Das Gebäude des Palais de Mahé (http://cghearth.com/Palais-de-Mahe) imitiert eine koloniale Kaufmannsvilla. Im Zentrum des dreistöckigen Ensembles mit malerischen Kolonnaden befindet sich ein Schwimmbad, außen herum sind Zimmer mit kolonialer Möblierung, ein Restaurant, eine Cocktailbar und ein Tee-Salon sowie eine Bibliothek. Die Atmosphäre ist häuslich und familiär. Das Restaurant serviert europäische sowie südindische Gerichte.

Palais de Mahé © tr

Im Gegensatz zum Palais de Mahe befindet sich La Villa (http://www.lavillapondicherry.com) in einem original historischen Gebäude, das nun mehr als 200 Jahre alt ist. Das Hotel verfügt nur über sechs Suiten, von denen jede eine individuelle Einrichtung hat. Auf der Terrasse des zweiten Stocks gibt es einen kleinen Pool, wo private Yoga-Kurse zum Preis von 15 EUR pro Stunde mit einem Privatlehrer abgehalten werden. In der Lobby gibt es eine Bibliothek mit Kunstkatalogen und  (meist französischen) Mode-Illustrierten.

La Villa. Zimmer © tr

La Villa. Hof © tr

Die Atmosphäre ist besonders abends sehr exklusiv, wenn im Haus und auf der Terrasse Kerzen brennen und die Gäste an Tischen sitzen. Draußen rauschen Motorräder, rumpeln Wagen und die Straßenverkäufer bieten ihre Waren laut an, im gemütlichen Hof sitzen die Gäste und kosten europäische Küche. Obwohl der Besitzer in Pondicherry lebt, wird das Hotel von Paris aus geleitet. Vor einem Monat lud das Pariser Management den Michelin-Koch Michel Christman, der zuletzt für „La Begude St. Pierre“ in Südfrankreich gearbeitet hat ein. Nun zog Christman nach Pondicherry und will die Speisekarte von „La Villa“ und „Villa Shanti“ (einem preisgünstigeren Hotel des gleichen Besitzers) von Kopf bis Fuß neu aufstellen. Das sollte auf jeden Fall den westlichen Reisenden sowie den zahlreichen ausländischen Spezialisten gefallen, die in Pondicherry leben und in lokalen Unternehmen wie Renault arbeiten.

Palast Chowmahalla in Hyderabad © tr

Auf dem Rückweg: Hyderabad

Pondicherry hat einen Flughafen mit nur einem Linienflug nach Hyderabad. Der Weg lohnt sich auf jeden Fall, nicht nur, um wunderschönen Schmuck – die berühmten weißen, rosa, schwarzen Perlen mit Rubinen, Smaragden und anderen Halbedelsteinen zu kaufen – sondern in eine andere nicht weniger faszinierende Stadt und Geschichte zu schlüpfen.

ITC Kakatiya. Innenräume © tr

Hyderabad wurde vor allem durch das Herrschergeschlecht der Nizams bekannt, , eine seit dem 18. Jahrhundert herrschende Dynastie. Besonders empfehlenswert ist ein Aufenthalt, wenn man die Architektur von Palästen mag. Die berühmtesten davon sind der Palast Chowmahalla aus dem 18. Jahrhundert, wo die Nizams gekrönt wurden sowie das schneeweiße Schloss Falaknuma aus dem 19. Jahrhunderts, heute ein Hotel der Gruppe Taj, deren Leitung private Führungen mit (und ohne) Teezeremonien in den prachtvollen Räumen anbietet. Für einen Aufenthalt sollte man lieber ITC Hotel Kakatiya wählen.

Esszimmer im Schloss Falaknuma © tr

Wie in Falaknuma gibt es hier auch manch antike Möbel, doch noch besser sind hier die Speisemöglichkeiten. Das berühmte Hauptgericht von Hyderabad, das „Lamm-Biryani“ wird am besten im Restaurant „K & K“ zubereitet. In „Deccan Pavilion“ kommen dann Vegetarier voll auf ihre Kosten.