Film

Wenn man unabhängig sein will…

Wenn Filmemacher unabhängig werden, dann ist ihr erster Impuls meist, ihre eigenen Sehnsüchte, Träume und Fantasien auf die Leinwand zu bringen. Diese Produktionen sind vielleicht klein und nicht teuer, dafür genießen Filmschaffende volle Freiheit.

So war es auch im Fall vom weltbekannten Produzenten Lluis Miñarro, der jetzt seinen ersten Spielfilm drehte. In seiner Kindheit gab ihm die Großmutter eine goldene Münze. Auf der Münze war der Italiener Amadeus Ferdinand Maria von Savoyen (1870-73) zu sehen, der für nur drei Jahre zum spanischen König gewählt wurde, was aber die Fantasie von Minarro angeregt hat. Im Film geht es allerdings nicht um die wahren historischen Ereignisse, sondern um deren subjektive Interpretation nach Miñarro, verbunden mit der Situation im heutigen Spanien, in der Sprache der Malerei und in der Form einer theatralischen Inszenierung ausgedrückt.

Wer sich mit den feinen Künsten gut auskennt, wird auch in diesen „bewegten Bildern“ berühmte Werke von Caravaggio und Goya erkennen, aber auch die Schönheit der Innenräume und Kostüme schätzen – vielleicht findet man sogar Gefallen an den erotischen bisexuellen Fantasien des Regisseurs.

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Genauso erging es wohl dem bekannten französischen Schauspieler Mathieu Amalric. Wegen seines Körperbaus wird ihn bestimmt kein Filmemacher gegen Ryan Gosling auswechseln. Doch in seinem eigenen Film „La Chambre Bleu“ (Das blaue Zimmer) darf Amalric den Liebhaber spielen so viel er möchte und nackt herumlaufen.

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Die Geschichte stammt allerdings nicht von ihm, sondern von George Simenon. Zu seiner Ehrenrettung muss man aber sagen, dass die Geschichte des Liebesdreiecks und den Mord der Frau poetisch inszeniert sind. Auf Kleinigkeiten (Blutströpfchen vertauscht mit Marmeladenflecken, heimliche Blicke und anonyme Briefe) legt er besonderes Augenmerk. Die Story findet keine offizielle Auflösung. Eine Szene verrät jedoch, wer der wahre Mörder war. Sollten Sie, lieber Leser, neugierig werden, den Film anschauen und den Täter erraten – natürlich ohne Simenon gelesen zu haben – gratulieren wir herzlich dazu!

Wenn man nach Cannes zum Filmfestival will, aber als alternder Schauspieler keine Einladung mehr erhält, dann macht man es so wie Alec Baldwin. Man verkündet, dass man einen Film über das Festival dreht, lädt bekannte Regisseure (Scorsese, Coppola und Bertolucci) und Schauspieler (Jessica Chastain und Ryan Gosling) zu Interviews ein, damit der Zuschauer auch etwas zu sehen bekommt. Im Ergebnis erhält man aber Einladungen zu Partys, besucht die Treffen des Festivalpalasts und den Roten Teppich, bruncht mit Millionären. Man fragt sie natürlich nebenbei, ob sie etwas Geld für eine Filmproduktion spendieren wollen.

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seducted and abandoned

Ob dabei Geld für ein gewünschtes Remake von Bertoluccis Drama „Der letzte Tango in Paris“ zusammenkommt, bleibt unbekannt (war tatsächlich eine Produktion geplant?). Aber fein gegessen und das Festival genossen hat man schon mal.

„Verführt und Verlassen“ ist ein seltsamer Film. Man stellt sich die Frage, worum es hier eigentlich geht. Man soll sich darüber nicht den Kopf zerbrechen! Es ging ja nur darum, dass Alec Baldwin und sein Kollege Tomas Toback, der seit etwa zehn Jahren keine Filme mehr gedreht hat, zwei Wochen in Cannes genossen haben.