Film

Unbroken von Angelina Jolie: If you can take it, you can make it!

Eine Geschichte des Sohnes italienischer Einwanderer in den USA, einer vom ersten Blick also gewöhnlichen Person, die einige Karriere-Höhen erreichte, sich aber vor allem im täglichen Leben tapfer, großherzig und inspirierend zeigt.

Bei der Vorführung von „Unbroken“ von Universal Pictures war mein erster Gedanke: „Was für eine tolle Idee war es doch, das Leben so einer bemerkenswerten Person wie Louis Zamperini zu verfilmen! Unglaublich nur, dass die Realisierung 57 Jahre dauerte!“ Das Leben dieses Anti-Helden mag anregend sein, seine Verfilmung ist es nicht.

Meine Messgröße bei einem Film ist immer gleich: „Entweder sieht man die Story atemlos an oder man blinzelt man auf die Uhr“. Im Falle von „Unbroken“ musste ich öfter auf die Uhr sehen. Sicher ist es nicht einfach in einem zweistündigen Film das ganze Leben zu erzählen, gerade wenn das Leben des Protagonisten voller Highlights ist. Ein Missetäter im Kindesalter, Leistungssportler in der Disziplin Lauf, die Teilnahme an den Olympischen Spiele 1936 in Berlin, Bombenschütze im Zweiten Weltkrieg und schließlich das Überleben eines Flugzeugabsturzes, nachdem er die ersten 47 Tage auf einem Rettungsboot (praktisch einer Luftmatratze) im offenen Meer mit Haien und Sperrfeuerangriffen des japanischen Militärs verbrachte und weitere zwei Jahre in qualvoller Gefangenschaft. Aber „Unbroken“ als Film hinterließ auf mich nicht diesen tiefen Eindruck, den man hat, wenn einen die Geschichte mehrere Tage nicht loslässt, nachts sogar im Traum erscheint oder wenn man sie seinen Kindern erzählt. Nun gut, meinem Sohn habe ich vom Aufstieg Zamperinis vom Einbrecher zum Profi-Sportler erzählt und auch im Laufe des Filmes ein paar Mal mitfühlend geflüstert: „Komm schon, Louis, komm!“. Mir hat die Tatsache gefallen, dass der 23-jährige Brite Jack O’Connell den Helden Zamperini verkörperte. Scheinbar können nur noch die Briten den klassischen Look der Amerikaner aus den 1950-ern auf die Leinwand zu projizieren. Ausgezeichnet ist die Idee, den japanischen Rock-Star Miyavi zu engagieren, den Kriegsverbrecher Watanabe zu spielen, der das Projekt mehrmals ablehnte.

Doch irgendwie ist die Regisseurin Angelina Jolie viel zu sehr ein Kind Hollywoods. Sie hat diese unaufhörliche Neigung zu Banalitäten, auch wenn das Drehbuch von berühmten Coen-Brüdern verfasst wurde, ein Bezug, der sich immer noch nicht herstellen lässt. Jolie und Coen? Nur weil sie einen gemeinsamen Agenten haben und jetzt auch noch befreundet sind? Für Coens Geschmack hören sich die Filmdialoge viel zu oft wie Devisen an, Devisen einer Nation, die zusammen leidet und weint, doch zum Schluss unbesiegbar ist. Vielleicht wollen es aber auch die Zuschauer dort etwas tiefgründiger haben als bloß eine weitere Variation von „Vom Winde verweht“? Jolie ist ehrlich. Sie gibt zu, dass es anstrengender ist, Regie zu führen als die Schauspielerei. Auch Regisseurin wollte sie nicht sein, wenn man ihren Aussagen glaubt. Sie hätte lieber mit Schauspielerei aufgehört und wäre zu Hause bei den Kindern geblieben. Doch die Geschichten, die sie auf die Leinwand bringt, scheinen für Frau Pitt doch viel zu persönlich, um sie an jemand anderen abzugeben. Und so bekommen wir einen weiteren Biopic à la klassisches Hollywood. Was nicht heißt, dass die Geschichte den meisten Zuschauern nicht zu Herzen ginge. In den USA startete der Film auf jeden Fall mit großem Erfolg.