Film

To Rome with Love: Film Review

Mit seinen 50 gedrehten Filmen, die pünktlich einmal im Jahr erscheinen, gibt der Star-Regisseur Woody Allen sein Image eines New Yorker Stadtneurotikers auf. Seit langem geht er seinen Neurosen gerne im Ausland nach: Zuerst in London mit „Match Point“, dann in Barcelona mit „Vicky Cristina Barcelona“. Vor kurzem war er noch in Paris mit „Midnight in Paris“. Mit „To Rome with Love“ hat Allen die nächste Station seiner kreativen Europa-Tour nach Rom verlegt, in die „ewige Stadt“, wo er einen Film zum „ewigen“ Thema der Liebe dreht.

Dieser Episoden-Film besteht aus vier Geschichten: Hier geht es über einen Architekturstudenten Jack (Jesse Eisenberg) und seine Freundin Sally (Greta Gerwig), deren Welt durcheinander gerät, als ihre alte Bekannte Monika (Ellen Page) in die Stadt zu Besuch kommt. Obwohl Jack von seinem Mentor John (Alec Baldwin) gewarnt wird, verliebt er sich blind in die charmante Dame. Ein anderes erst frisch verheiratetes Pärchen, Antonio (Allessandro Tiberi) und Milly (Alessandra Mastronardi), scheinen auch auseinander zu gehen, da er eine die Affäre mit der Prostituierten Anna (Penelope Cruz) beginnt und sie sich in den schmierigen Filmstar Luca (Antonio Albanese) verliebt.

Ein weiteres Drama spielt sich im Familienkreis des pensionierten Opernproduzenten Jerry (Woody Allen) ab. Jerry kommt mit seiner Frau (Judy Davis) nach Rom, um seinen zukünftigen Schwiegersohn Michelangelo (Flavio Parenti) kennenzulernen. Der Vater (der Tenor Fabio Armiliato) von Michelangelo, eigentlich ein bescheidener Bestatter von Beruf, offenbart sich als Naturtalent, der täglich unter der Dusche Opernarien singt und schließlich von Jerry auf die große Bühne gebracht wird. Ein anderes Wunder geschieht mit dem Durchschnittsbürger Leopold (Roberto Benigni), der ohne jeden Grund über die Nacht berühmt wird und nun von der Presse täglich verfolgt wird.

Obwohl Woody Allen, der mittlerweile 76 Jahre alt ist, sich immer noch unermüdlich hinter der Kamera stellt, aber nun auch – nach sechs Jahren Pause seit dem Film „Scoop“ – vor die Kamera stellt, gehört diese neue Komödie nicht zu seinen besten Leistungen. Weder werden hier zahlreiche Facetten der romantischen Liebe, wie in „Vicky Christina Barcelona“, untersucht, noch wird eine stimmig-nostalgische Vergangenheit der Großstadt-Metropole, wie in „Midnight in Paris“ gezeigt.

Auch wenn die für den Regisseur typischen zahlreichen Dialoge immer noch für viel Ironie und Charme sorgen, wirken seine Szenen, in denen er genüsslich mit gängigen Italien-Klischees spielt, nicht mehr so subtil wie sein Frühwerk. Die wahren Fans von Woody Allen sollten auch diesen Film nicht verpassen, aber auch diejenigen, die gerne für leichte Unterhaltung ins Kino gehen werden ihn genießen. Verwunderlich ist, warum „To Rome With Love“ gerade jetzt ins Kino kommt und nicht etwa vier oder acht Wochen später, nach einer – sonst für Allens Filme üblichen – Festivalpremiere, wie es der Fall für die kommenden Filmfestspiele in Venedig oder Rom sein könnte.

Im Kino: 30.08.2012
To Rome with Love ( USA | Italy | Spain, 112 Min., Komödie, 2012)
Regie: Woody Allen Mit: Penélope Cruz, Woody Allen, Alec Baldwin, Ellen Page, Jesse Eisenberg, Roberto Benigni, Greta Gerwig u.v.a.