Film

Passion

Brian De Palma ist kein angenehmer Gesprächspartner, wenn man ihn für ein Interview trifft. Nur ungern gibt er Informationen preis, ermahnt ständig Journalisten, ihre Neugier mit Filminhalten zu stillen und nicht die Berichte auf seine Kommentare zu beschränken. Und falls er auch etwas sagt, dann bekommt man oft nur sparsame Antworten zu hören, die schwer zu einem flüssigen Dialog zu verbinden sind. Dafür dreht er beinahe perfekte Filme, bei denen es weder am technischen Können noch an der inhaltlichen Spannung fehlt.

Gerade starke Frauen dürfen sich von seinem letzten Werk „Passion“ geschmeichelt fühlen, weil sie darin nicht nur in der Geschäftswelt, sondern auch im Privatleben dominieren. Männer dürfen dabei nur die untergeordnete Rolle „des schwächeren Geschlechtes“ spielen, aber auch mal die der gefügigen Liebhaber, die sich zum Vergnügen der Frau gerne verkleiden.

Die beinahe perfekte Beziehung zwischen Christine (Rachel McAdams) und ihrer leitenden Angestellten Isabelle (Noomi Rapace) scheint zu Ende zu gehen, als Christine ihrer Kollegin und Freundin die Idee für eine Kampagne stiehlt. Isabelle rächt sich, indem sie den Liebhaber ihrer Chefin verführt. Zum Schluss scheint auch der Mann in die weiblichen Verstrickungen involviert zu sein, dennoch entwickelt sich Isabelle – die nur auf den ersten Blick als naive und unbeholfene Angestellter wirkt – zur taffen Konkurrentin, die mit Hilfe ihrer Assistentin Dani (Karoline Herfurth) eine überraschende Wende bereitet.

Das De Palma’sche Werk ist ein Remake des französischen Thrillers von Alain Corneau mit Kristin Scott Thomas und Ludivine Sagnier in den Hauptrollen. Nur mit dem kleinen Unterschied, der Film des verstorbenen Franzosen bleibt ein Psychothriller bis zum Schluss, während die Handlung bei De Palma viele Elemente von Horror und Phantasie bekommt, was sich wiederum in den unterschiedlichen Titeln – „Passion“ vs. „Love Crime“ – wiederspiegelt. Dabei entwickelt Palma seine „Passion“ nicht nur für die verstrickte Erzählung, sondern auch für geschickte Spiele mit Farben und der Kamera.

Gerne bemüht er beispielsweise Klischees über Blondinen und Brünette, indem er zuerst die Blondine mit der Rolle einer „Femme Fatale“ und einem „Vamp“ krönt, dennoch zum Schluss wieder die Richtigkeit der gesellschaftlichen Vorstellungen herstellt. Weil in der Produktion auch deutsche Firmen und Gelder beteiligt sind, spielt die Handlung des Filmes in einem deutschen Unternehmen der deutschen Hauptstadt. Von Berlin selbst – außer wenigen Erwähnungen – ist allerdings wenig zu sehen. Der Ort wird hauptsächlich als allgemeine Großstadtkulisse für eine spannende Story genutzt, die genauso gut in einer anderen Weltmetropole, ob London, Paris, New York oder Moskau gespielt werden könnte.

Passion

im Kino : 2. Mai 2013
Frankreich / Deutschland 2013
Regie: Brian De Palma
Mit Rachel McAdams, Noomi Rapace
Länge: 101 Min.