Film

Oscar Preisverleihung gerecht?

Gibt es so etwas wie Oscar Gerechtigkeit bei der meist erwarteten Oscar Preisverleihung? Mit großer Wahrscheinlichkeit regieren hier interne Politik und geschickte Diplomatie. Schauen wir doch, wie die diesjährigen Nominierungen verteilt wurden.

Dass wir alle Steve McQueen lieben, vor allem nach seinen grenzüberschreitenden Filmen „Hunger“ und „Shame“, steht außer Frage. Schließlich hat er ja Michael Fassbinders beste Auftritte für uns gesichert. Auch sein jüngstes Werk „12 Years a Slave“ ist sehenswert, aber keinen Oscar wert. Die narrative Struktur des Filmes ist unvollendet. Es fehlt eine annährend verständliche Biografie von Solomon Northup, dem Protagonisten. Warum soll man mit ihm Mitleid haben, wenn man ihn überhaupt nicht kennt? Man soll, weil die Akademie jetzt einen Film über afro-amerikanische Sklaverei ehren muss, auch wenn diese Ereignisse 100 Jahre zurückliegen. Setzt etwa McQueen hier zeitgenössische Akzente? Schließlich sind wir alle heute längst zu Sklaven unseres ständig kriselnden Finanzsystems und von sozialer Ungerechtigkeit geworden. In seiner Rede ist davon nichts zu hören.

Warum bekam Leonardo DiCaprio keinen Oscar für seine brillante Darstellung von Jordan Belfort in The Wolf of Wall Street? Dies war doch bereits seine fünfte Oscar-Nominierung? Nicht, dass wir etwas gegen die glanzvolle Leistung von Matthew McConaughey in Dallas Buyers Club hätten. Auch er ist außergewöhnlich gut, aber vielleicht einen Tick weniger gut als DiCaprio. Ist vielleicht die Handlung des Filmes für die Akademie zu freizügig? Oder das Thema – Finanzmarkt, Staatskorruption – zu heikel? Oder geht es wieder um Martin Scorsese? Schließlich bekam der Regisseur seinen eigenen Oscar unerwartet spät, nachdem viele seiner Top-Filme wie Taxi Driver, Goodfellas, Casino etc. nicht ausgezeichnet wurden. Es ist zu spät, sich darüber Gedanken zu machen. Scorsese hat bereits erklärt, nur noch wenige Filme drehen zu wollen und vielleicht keinen Spielfilm mehr.

Sicher kann man jetzt denken, Meryl Streep (ist sie wieder einmal nominiert?) habe zum x-ten Mal wieder keinen Oscar bekommen. Tatsächlich aber hat sie schon drei gewonnen. „Jetzt entschuldigen Sie bitte, Mrs. Streep, es ist Zeit für eine andere Generation.“

Der Oscar für Cate Blanchett in Blue Jasmine von Woody Allen ist eine faire Entscheidung. Gleiches gilt für die weiteren Preise: The Great Gatsby für das beste Produktionsdesign; La Grande Belezza für den besten ausländischen Film und Gravity für den Oscar in den technischen Kategorien

TheEllenShow

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