Film

„Look & Listen Award“ für Patrick Doyle

Man kennt diese Namen, wenn man selbst Musik komponiert, oder wenn einer von ihnen viel zu oft in Untertiteln auf der großen Leinwand vorkommt. Früher waren es Nino Rota und Henry Mancini. Heute lesen wir John Williams und Alexandre Desplat.

Als ich am 26. Juni zum Konzert der Filmmusikklassiker des Bayerischen Rundfunks kam, gab es keine Musik von Desplat, dafür andere Komponisten mit weltbekannten Themen aus „Alice in Wonderland“, „The Wizard of Oz“, „The Jungle Book“ usw.

Plötzlich, nach der Pause, wurde ein Mann auf die Bühne gebeten: Reiferen Alters, energisch, mit offenem Lächeln und viel Freude. Mit großen Mühen versuchte er deutsch zu sprechen, um Gastfreundlichkeit der bayerischen Hauptstadt zu beschreiben. Anschließend bekam er den „Look & Listen-Preis“. Sein Name war Patrick Doyle und ich muss gestehen, dass ich ihn bis jetzt nicht gehört habe. Korrektur: gehört schon, aber nie wahrgenommen. Als ein paar Minuten später die Klänge der weltbekannten Melodie „Weep You No More“ aus dem Film „Sense and Sensibility“ zu hören waren, wurde mir mein Fehler bewusst. Ich erinnerte mich an weitere seine Werke: „Henry V“, „Great Expectations“, „Bridget Jones’s Diary“, „Harry Potter and the Goblet of Fire“, „Rise of the Planet of the Apes“ und neulich seine letzte Produktion „Jack Ryan: Shadow Recruit“.

Geboren in Schottland, sang Patrick Doyle bereits in seiner Schulzeit im Kinderchor. Auch in seiner ersten bekannten Filmmusik zu „Henry V“ ist seine Stimme zu hören. Allerdings strebte Doyle mehr eine Schauspieler-karriere an. Bei der Produktion von „Henry V“ lernte er den Regisseur Kenneth Branagh kennen, der bekannt für seine Shakespeare-Inszenierungen ist.

Ich ließ mich von den Lieblingsmelodien verzaubern, dank der ausgezeichneten Leistung des BR-Symphonieorchesters unter der Leitung von Ulf Schirmer, und trotz der ausdrucklosen Stimme der finnischen Sängerin Marjukka Tepponen, die eine Anstrengung meines Gehörs erforderte und vielleicht doch besser durch eine temperamentvollere italienischen Diva ersetzt worden wäre.

Mittlerweile verbringt sitzt Doyle mehr Zeit am Schreibtisch beim Komponieren als vor der Kamera. Etwa sechs Jahre durfte Doyle sich seiner neuen Beschäftigung widmen, als bei ihm Leukämie festgestellt wurde. Dennoch nahm er seine Arbeit zügig wieder auf und schuf Musik noch zu mehr als zehn Filmen. Weitere zwei Produktionen – „Cinderella“ und „Bureau of Otherworldly Operations“ sollten 2015 fertig sein. Und es kommen noch mehr, hoffen wir!