Film

Liebe: Film Review

Michael Haneke hat es wieder geschafft: Bei den letzten beiden Teilnahmen am Wettbewerb des berühmten Cannes Film Festivals hat er zweimal nacheinander den höchsten Preis – die „Palme D’Or“ – abgeräumt. Zuletzt für den Film „Liebe“, der nun ab 20. September in deutschen Kinos läuft.

Obwohl der Film langatmige zwei Stunden und sechs Minuten dauert und die Auflösung der Geschichte bereits am Anfang des Filmes angekündigt wird, werden sich die Zuschauer nicht langweilen, vor allem diejenigen, die eine Vorliebe für das dramaturgische Talent Hanekes sowie anspruchsvolles Kino haben. Für diesen Film hat der Österreicher die französischen Filmlegenden Jean-Louis Trintignant und Emmanuelle Riva verpflichtet. Trintignant, der auch noch auf Theaterbühnen steht, war seit 14 Jahre nicht auf der großen Leinwand zu sehen. Für Haneke hat er eine wohl auch letzte Ausnahme gemacht.

Die 85jährige Riva, einmal die Muse von Alain Resnais in seinem Film „Hiroshima mon Amour“, wollte ebenfalls zum kontroversen Thema „Liebe im Alter“ ihren Beitrag leisten. Das Sterben gehört zu unserem Leben, obwohl die meisten diese Tatsache verdrängen und nur wenige Künstler, darunter Haneke, trauen sich, die letzte Lebensphase vor dem Tod schonungslos und unsentimental zu thematisieren.

Das kultivierte Paar Georges und Anne (beide um die 80) sind seit vielen Jahren miteinander verheiratet. Sie finden immer noch Spaß an der Gesellschaft des anderen und kümmern sich liebevoll umeinander, bis zu einem harmlosen Zwischenfall beim Frühstück. Eines Morgens wirkt Anne für wenige Minuten abwesend und reagiert nicht auf die Ansprachen durch ihren Ehemann, offensichtlich hat sie einen Schlaganfall erlitten. Dem folgen bald weitere, die Anna schließlich an den Rollstuhl fesselt.

Der Ehemann verspricht ihr, sie zuhause zu pflegen, was ihm nicht leicht gemacht wird, denn Anna – die sich ihrer Hilflosigkeit bewusst ist und sich als Belastung für Georges empfindet – verweigert das Essen und möchte Georges Pflege nicht mehr in Anspruch nehmen. Sie denkt nur noch ans Sterben. Die wahre und zärtliche Liebe, die beide über Jahrzehnten verbunden hat, läuft Gefahr zu zerbrechen, Georges sieht bald keinen Ausweg aus der Situation und entscheidet, den Prozess zu beschleunigen.

„Liebe“ ist ein besinnlicher Film. Langsam, subtil und gnadenlos wird hier Verfall eines Menschen verfolgt. Die Handlung spielt nur an einem einzigen Ort – dem Apartment des alten Ehepaars, das der Wohnung der Eltern des Regisseurs getreu nachgebildet wurde. Es gibt kaum Filmmusik sowie andere filmspezifische dramaturgische Mittel. Und obwohl niemand sich freiwillig mit dem Thema auseinandersetzen will, kann das Werk Hanekes für jeden eine Bereicherung sein, vor allem wenn man das Leben in seiner Komplexität zu verstehen sucht.

Im Kino: 20.09.2012
Liebe (Originaltitel: L’Amour) (Deutschland, Frankreich, Österreich 2012)
Regisseur: Michael Haneke
Hauptdarsteller: Jean-Louis Trintignant, Emmanuelle Riva, Isabelle Huppert, William Shimell, Laurent Capelluto
Länge: 126 Minuten