Kunst

Gemälde von Jan Brueghel

Die Alte Pinakothek hat in ihrem Bestand seltene und wunderschöne Exemplare der flämischen Malerei. Zahlreiche Schenkungen und Einkäufe der Familie Wittelsbacher stammen noch aus der Zeit von Max-Emmanuel und Maximilian von Bayern. Dank des klugen Gesetzes über die Einheitlichkeit der Sammlungen aller kurfürstlichen Zweige der Familie dürfen nun die Besucher die zahlreichen Meisterwerke der flämischen Malerei genießen.

Vor drei Jahren hat sich ein Team unter der Leitung von Mirjam Neumeister das Ziel gesetzt, die 85 Werke von Jan Breughel dem Älteren sowie seiner Werkstatt zu untersuchen und zu datieren. Daraus entstand die Ausstellung „Gemälde von Jan Breughel der Älteren“, die von 22. März bis zum 16. Juni in der Alten Pinakothek zu sehen ist.

Die Ausstellung zeigt 47 bedeutende Werke des Künstlers sowie Bilder anderer Familienmitglieder und der Werkstatt, darunter auch prominente Leihgaben aus Museen wie dem Prado in Madrid, den Uffizien in Florenz, dem Louvre in Paris, der Albertina in Wien, der Kunstgalerie in Dresden sowie Museen in Berlin, London, Rotterdam, Budapest und Dessau. Die Schau beginnt mit „Das Schlaraffenland“ von Vater Peter Breughel dem Älteren aus dem Jahr 1567 und reicht über die Werke des älteren Bruders Peter Breughel des Jüngeren (z.B.„Der bethlehemitische Kindermord“) bis hin zu den Zeiten der 1660er-jahre und den Werken von Jan Breughel dem Jüngeren (Sohn des Künstlers) und Jan van Kessen (Enkelsohn, der nicht mehr den Namen „Breughel“ trägt). Somit bietet die Ausstellung nicht nur eine Übersicht des vielfältigen Schaffens von Jan Breughel dem Älteren selbst, sondern zugleich einen faszinierenden Einblick in die Geschichte einer Malerfamilie sowie in die Kunstproduktion in Antwerpen um 1600.

Dennoch bleibt im Mittelpunkt der Schau Jan Breughel der Ältere. Im Gegenteil zu seinem Bruder Peter, der die Arbeiten des Vaters genau reproduzierte oder den Werken seines Sohnes Jan, der wiederum das reiche Erbe seines Vaters nutzte, ging Jan Breughel der Ältere seinen eigenständigen innovativen Weg und hat die lange Tradition seiner Familie sowie die flämische Malerei wesentlich beeinflusst. Zunächst hat er die traditionellen Formate verkleinert.

Familie Jan Brueghels des Älteren von Peter Paul Rubens, London

Er interessierte sich hauptsächlich für die Landschaftsmalerei, die er geschickt in die Historienbilder einfügte. Dabei benutzte er Vorlagen aus seiner Reise nach Rom und Neapel, die er zusammen mit einheimischen Motiven wie z.B. Aussichten der Stadt Antwerpen zusammensetzte. Seine berühmtesten Werke wie „Seehafen mit der Predigt Christi“ (1598), „Ansicht einer Hafenstadt mit der Enthaltsamkeit des Scipio“ (1600) oder „Großer Fischmarkt“ (1603) zeigen bereits wie die Genre- bzw. mythologischen Szenen in die breite „Weltlandschaften“ harmonisch eingeschrieben sind. Seine zweite Leidenschaft galt der Darstellung von Blumen. Deshalb bekam er den Spitznamen „Samt- bzw. Blumen-Breughel“.

Die naturgetreue Wiedergabe von Blumen und Insekten – die er am Hofe seiner Förderer Isabella von Spanien und Albrecht von Österreich geduldig übte – begeisterten nicht nur seine Kunden, sondern auch seine Kollegen, wie Peter Paul Rubens. Rubens lud Breughel zur gemeinsamen Arbeit an „Madonna im Blumenkranz“ ein, dabei malte er die Figuren von Madonna, Jesus und die Putti während Breughel diese Komposition geschickt mit einem Blumenkranz umrahmte. Nach dieser Zusammenarbeit entstanden mehrere andere, z.B. mit den Künstlern Paul Bril, Hendrik van Balen, Hans Rottenhammer. Und jedes Mal war Breughel für Landschaften und Blumen zuständig, während seine Kollegen die Figuren ausführten.

Man staunt heute, wie globalisiert der Kunstmarkt bereits zu den Zeiten des Barock war. Denn der Deutsche Hans Rottenhammer wohnte in Venedig, als er und Breughel ihr Werk „Aeneas in der Unterwelt“ malten. Die Leinwand reiste zwischen Antwerpen und Venedig hin und zurück und so leistete jeder Künstler seinen eigenen Anteil am gemeinsamen Werk. Die zahlreichen Skizzen und Studien von Jan Breughel dienten nicht nur dem Künstler selbst, sondern wurden als Erbe von seinem Sohn an den Enkel übergeben. Wenn man von einem Raum in den anderen wandert und die Inhalte der Bilder vergleicht stößt man immer wieder auf ähnliche Motive, die wohl dieselbe Vorlage kopierte. So kann der Ausstellungsbesuch nicht nur dem erwachsenen Kunstliebhaber ästhetischen Genuss bereiten, sondern auch junge Zuschauer mit alter Malerei beschäftigen.