Film

Das Mumbai Filmfestival wird 20.

Das Mumbai Filmfestival – liebevoll auch „MAMI“ (Mumbai Academy of Moving Images) genannt – feiert dieses Jahr sein 20. Jubiläum.

Die schöpferische Zeit des Mumbai Filmfestivals begann erst 2015, nachdem drei Frauen (Kiran Rao, Anupama Chopra und Smriti Kiran) die Leitung übernommen haben. Vor vier Jahren fand seine feierliche Eröffnung am legendären „Gateaway of India“ in Mumbai statt, einem Ort, der eine ähnliche Funktion hat wie die Freiheitsstatue auf Staten Island in New York: Hierher strömten einst die Einwanderer aus aller Welt.

 

Smriti Kiran, Anupama Chopra, Kiran Rao ©Mumbai Film Festival

Die Bühne für die Festivaleröffnung wurde vor dem Tor aufgebaut und Kalki Koechlin moderierte den Event und die Bollywood-Stars flanierten über den roten Teppich. Ich erinnere mich immer noch gut daran, wie Katrina Kaif beim Klicken der Kameras immer wieder ihren Bauch für schönere Bilder einzog oder wie ich am Eingang stolperte und auf Hritik Roshan fiel und wie er auf mein auffälliges rotes Kleid starrte. Ich hatte viel Spaß dabei, den lächelnden Spaßvogel Alia Bhatt in einer wunderschönen Jade-Abendrobe zu beobachten und habe mich über Ernsthaftigkeit von Abhishek Bachchan gewundert. Die Popularität seiner Eltern lastet wohl schwer auf seinen Schultern, dachte ich damals. Vier Festival-Ausgaben später wurde das Mumbai Film Festival wieder vor dem Gateway of India eröffnet. Das Monument ist nun 107 Jahre alt geworden, fast genau so alt wie das Kino selbst. Vor vier Jahren konnte Salman Khan noch mitten in die Zeremonie platzen, das Publikum hat sofort den feierlichen Anlass der Veranstaltung vergessen und widmete seine ganze Aufmerksamkeit dem Star. Manche rannten zu ihm, um ein Selfie mit ihm zu schießen, andere telefonierten mit Freunden, um über das Ereignis zu berichten. Und eine halbe Stunde später konnte er samt seinem Gefolge einfach gehen, mitten in der Veranstaltung. Kalki konnte es sich damals noch leisten, politisch inkorrekte Witze zu reißen, wie etwa „Ich bin weiß und ich lebe in einem braunen Land, doch ist mein Herz auch braun“. Für solche Kommentare würden Teilnehmer eines Festivals in Cannes oder Berlin zur Persona non grata erklärt. In Mumbai lachten bloß alle darüber und es herrschte eine herzliche Stimmung.

Kalki Koechlin © Mumbai Film Festival

Dieses Mal war alles etwas anders. Kalki kam wieder auf die Bühne, doch sie war politisch korrekt, reserviert und dankte jedem Teilnehmer für seine Zeit. Nur einmal entblößte sie sich, und zwar als sie den ewigen Jüngling Aamir Khan auf die Bühne bat um ihn gleich darauf wieder zu verbannen, weil er diese für Werbung für seinen neuen Films nutzte. Aamir Khan überreichte zusammen mit Jaya Bachchan den Excellence In Cinema Award an den legendären Filmemacher Shyam Benegal. Auch andere Prominente wie Karan Johar, Zoya Akhtar, Radhika Apte, Soha Ali Khan, Tabu und Vishal Bhardwaj zeigten ausgezeichnete Manieren: Sie kamen pünktlich, hörten aufmerksam zu und das offenbar auch mit großem Interesse. In diesen Zeiten, in denen Filme bloß auf einem iPhone gedreht werden können, fangen die Studios und ihre Stars an, die wachsende Konkurrenz unabhängiger Filmemacher anzuerkennen. Obwohl der rote Teppich immer noch ihnen gehörte, galt das Programm des Festivals dem neuesten Arthouse-Kino aus Indien und weltweit und somit gehört das Ereignis zum ersten in Asien, das eine derartige Vielfalt unabhängiger Filmproduktionen höchster Qualität anbietet.

Festival-Eröffung mit Stars ©Mumbai Film Festival

Es wurden 200 neue Filme, davon 54 im Wettbewerb auf den 19 Leinwänden überall in der Stadt gezeigt, viele davon konnten Zensurbeschränkungen übergehen. Die Kreativdirektorin des Festivals Smriti Kiran erklärt: „Beim Festival gibt es keinen Kartenverkauf. Wenn wir Tickets verkaufen würden, müssten die Filme wie alle kommerziellen Streifen in Indien zensiert werden. Es würde bedeutet, dass wir letztlich mehr als die Hälfte des Programms streichen würden. Doch jetzt haben wir eine Ausnahmegenehmigung von der Regierung als besonderes Kulturereignis, dafür müssten wir uns auf Meinung unserer Sponsoren – Familie Ambani – verlassen. Doch die Sponsoren mischen sich in unsere Angelegenheit nicht ein und wir haben von ihnen volle Unterstützung“.