Film

Das 75. Filmfest in Venedig: Kunst ohne Grenzen.

Der Wettbewerb der diesjährigen Internationalen Filmfestspiele in Venedig (29. August bis 8. September) hat die ewigen Konkurrenten, die Filmfestivals in Berlin und Cannes überholt.

Dakota Johnson, Premiere of „Suspiria“ ©La Biennale

Eine Absage, seinen Film auf dem Filmfestival in Cannes dieses Jahr zu zeigen, weil dies eine Produktion von Netflix sei, hat den mexikanischen Maestro Alfonso Cuarón nicht verärgert. Seine in schwarz-weiß gedrehte Biografie „Roma“, ein Familiendrama aus den frühen 1970erjJahren, die sich vor dem Hintergrund der politischen Ereignisse in Mexiko wie der Erschießung eines Studenten während einer Demonstration entfaltet wurde am dem venezianischen Lido herzlich begrüßt und sogar mit dem „Goldenen Löwen“ ( dem höchstem Festivalpreis) ausgezeichnet.

„Roma“ Alfonso Cuarón ©La Biennale

Auch Joel und Ethan Coen durften sich über die Aufnahme ihres Werks in die Mostra del Cinema sowie den Preis für das beste Drehbuch freuen.  Bei „The Ballad of Buster Scruggs“  – ebenfalls von Netflix unterstützt – handelt es sich um eine sechsteilige und 132-minütige Anthologie-Serie und einen Ausflug ins Western-Genre, ganz im Stil ihrer früheren Klassiker wie „True Grit“ und „No Country For Old Men“. Zu ihrer Zusammenarbeit mit Netflix haben sie sich nur kurz und knapp geäußert. Die Brüder sagten, dass sie das Streaming nicht nur mögen, sondern „ganz verrückt“ danach seien. Außerdem finden sie, dass verschiedene Formen von Produktion und Distribution die Kunst des Kinos sowie die Filmindustrie nur noch lebendiger und gesünder machen.

„The Ballad of Buster Scruggs“ Coen Bros ©La Biennale

Neben Wettbewerbsfilmen kaufte Netflix die Rechte für den bis jetzt unvollendeten Film von Orson Welles „The Other Side of the Wind“, der nun als eine fertige Version in Venedig gezeigt wurde. Ein Wunder angesichts der Tatsache, dass 40 Jahre lang keinem einzigen Filmstudio diese Fertigstellung gelang. Das Projekt wird sicher die Rolle von Netflix als Führer der modernen Filmindustrie festigen.

Mehrere Franzosen, darunter die Favoriten des Festivaldirektor des Cannes Film Festivals Thierry Fremo haben ebenfalls die Seite gewechselt. Olivier Assayas zeigte in Venedig seine Komödie „Doubles Vies“ über die Verlagswelt von Paris und die Midlifecrisis. Jacques Audiard drehte mit „The Sisters Brothers“ seinen ersten englischsprachigen Film, in dem ein Goldsucher von zwei blutdürstigen Revolverhelden quer durch Oregon verfolgt wird. Dafür erhielt Audiard den Preis für die beste Regie.

„The Favorite“ by Yorgos Lanthimos ©La Biennale

Filme über historische Themen hatten immer schon etwas Moralisierendes an sich. Vielleicht waren ihre Schöpfer daran interessiert, ideologische Dogmen zu schaffen, oder sie hofften, den Betrachter „aufzuklären“ oder besser gesagt „wecken“ zu müssen. Anders bei Yorgos Lanthimos, der in der letzte Zeit so produktiv gewesen ist, dass er es beinahe schafft, zu jedem Filmfest einen Film zu drehen. Lanthimos kann man nicht als einen eifrigen Verfechter des historischen Genres bezeichnen. Bis jetzt experimentierte er liebend gerne mit dem Thema der griechischen Tragödie, welches in seinem Werk moderne Formen trägt. Jedoch verfremdet er es grundsätzlich nicht und verweist dabei auf das Vermächtnis der Vergangenheit. Daher drehte er nun auch ein Kostümdrama, „The Favorite“, das sich der wenig bekannten britischen Königin Anna, eine der letzten Vertreterin der Stuart-Dynastie, widmet. Olivia Coleman hat diese Königin so gut gespielt, dass die Jury unter der Leitung von Guillermo del Toro ihr den höchsten Preis für die schauspielerische Leistung, die Coppa Volpi verlieh. Die Rollen von Queens zwei Favoritinnen wurden von Emma Stone und Rachel Weisz übernommen.

Willem Dafoe ©La Biennale

Die zweite Coppa Volpi ging an Willem Dafoe für seine Rolle als niederländischer Künstler Van Gogh im Film von Julian Schnabel „At Eternity’s Gate“. Dafür hat Dafoe – den Schnabel als einen Schauspieler „mit innerer Tiefe“ bezeichnete – sogar wieder Malen geübt. Vor 30 Jahren musste  er bereits für den Film „Leben und Sterben in L.A.“ malen, doch damals durfte er bloß einen Kunstfälscher, aber noch kein Genie spielen.

Das Festival wurde mit „First man“ von Damien Chazelle eröffnet, in dem Ryan Gosling wieder die Hauptrolle spielt. Vor zwei Jahren wurde Chazelle schon diese Ehre mit „La La Land“ erwiesen. Gosling spielt hier den legendären Astronauten Neil Armstrong. Doch der Film wurde etwas zurückhaltend von Filmkritikern aufgenommen, genauso wie das höchst erwartete Regie-Debüt von Bradley Cooper „A Star is Born“ mit Lady Gaga. Die Fans zeigten jedoch keine Zurückhaltung und belagerten den Roten Teppich schon mehrere Stunden vor den Premieren.

Lady Gaga ©La Biennale

 

Zu Tisch!

Die Filmfestspiele von Venedig verheißen nicht nur Filme und Preise, sondern auch Partys. Im Hotel Danieli Luxury Collection (https://www.marriott.com/hotels/travel/vcelc-hotel-danieli-a-luxury-collection-hotel-venice/), gegenüber vom berühmten Kloster San Giorgio Maggiore von Andrea Palladio sowie nicht weit von der Piazza San Marco entfernt, wurde für feierliche Stimmung bereits am Vortag der offiziellen Eröffnung gesorgt. Dort huldigte man dem Jurypräsidenten Guillermo der Toro.  Letztes Jahr wurde er mit dem „Goldenen Löwen“ für seinen Film „Shape of Water“ ausgezeichnet. Nun stand die Party im Danieli unter dem Motto „Shape of Fantasie“ und die Räume des Hotels verwandelte man in einen Ozean.

Variety Party ©La Biennale

Variety Party ©La Biennale

Über den Gästen hingen Algen und andere Wasserpflanzen. Das Menü – entwickelt vom Danielis Chefkoch Alberto Folom sowie seinem Michelin-Star-Kollegen Federico Belluco – dominierten Fischgerichte. Kaviar und Tintenfischpasta kamen mit Spagetti und Reis. Der Nachtisch in Form von Augen lag auf mit Eis gefüllten Gummihandschuhen. Auch wenn die Gäste sich zunächst nicht trauten, diese Fantasieformen zu probieren, waren die Augen bloß ein leckeres Zitronensorbet. Die Cocktails des Abends hießen „Eliza“ und „Amphibia“ zu Ehren der Protagonisten aus del Toros Filmen. Sie wurden auf einer offenen Terrasse mit Blick auf den fast vollen Mond serviert. Ironischerweise konnte Guillermo del Toro nicht zur Party kommen und ließ sein Team vor den Journalisten schwitzen, das betraf vor allem Naomi Watts und Christoph Waltz.

Jaeger-LeCoultre Gala Dinner at Palazzo Pisani Moretta ©JLC

Seit 14 Jahren unterstützt das Schweizer Unternehmen Jaeger-LeCoultre (https://www.jaeger-lecoultre.com/ch/en/home-page.html) die Filmfestspiele von Venedig, aber nicht nur das Festivalprogramm, sondern auch das bunte Partyleben. Am dritten Festivaltag hat JLC das legendäre Palazzo Pisani Moretta mit barocken Gemälden von Tiepolo gemietet, in dem schon der russische Kaiser Paul I., Josephine Beauharnais, Goethe sowie der römische Kaiser Josef II feierten. Die Ehrengäste dieses Abends waren die Schauspieler Benedict Cumberbatch und Lee Bun Khong. Mit Unterstützung von JLC wurde eine Initiative für Alphabetisierung (eine vernünftige Initiative im Zeitalter der Blogger und Massenkonsums) ins Leben gerufen. Berühmte Schauspieler sollten historische Briefe inszenieren. An diesem Abend las Cumberbatch Briefe der Künstler Sol de Witt und Eve Hesse und durfte dabei seine Lesung durch eigene Interpretation bereichern. Ein weiteres Abendessen feierte das 185-jährige Jubiläum von Jaeger-LeCoultre. Dafür wurden im venezianischen Arsenale eine grandiose Ausstellung sowie ein Gala-Dinner veranstaltet.